Luisenstraße 32
53129 Bonn
Tel.: (0228) 91 17 30
 

Archiv

29.10.2015

Erbengemeinschaft: Grunderwersteuerfreiheit gilt nur für eine Auseinandersetzung

Die Erbengemeinschaft ist eine Zwangsgemeinschaft auf Zeit. Sie ist eine Gesellschaftsform, die steuerrechtlich ähnlich wie eine „normalen“ Personengesellschaft (z.B. eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts) behandelt wird. Dieser Zusammenschluss kommt nur meist etwas überraschender zustande - nämlich mit dem Tod eines Erblassers, wenn beispielsweise mehrere Personen gemeinsam ein Grundstück erben.

Häufig existieren Erbengemeinschaften über Jahre bzw. Jahrzehnte hinweg und können auch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erwirtschaften. Doch spätestens bei einer Erbauseinandersetzung sollte feststehen, welcher Erbe welchen Teil des Grundstücks erhält, wie auch ein Erbe aus Rheinland-Pfalz feststellen musste.

Der Großvater hatte nämlich noch zu Lebzeiten geregelt, dass nach seinem Tod jedes seiner Enkelkinder ein Grundstück zum Niederlassen und Bebauen erhalten sollte. Wer im Einzelnen welches Grundstück bekommt, das sollten die Erben jedoch untereinander ausmachen. Nachdem auch die Großmutter verstorben war, fanden sich drei Geschwisterenkel in einer größeren Erbengemeinschaft wieder. Zur Vereinfachung vereinbarte die Erbengemeinschaft notariell, dass die drei Geschwister zwei Grundstücke zu je einem Drittel erhalten sollten.

Jahre später tauschten die Geschwister ihre Grundstücksanteile noch einmal untereinander. Daraufhin setzte das Finanzamt - obwohl Grundstücksteilungen in Erbengemeinschaften keine Grunderwerbsteuer auslösen - Grunderwerbsteuer fest.

Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz bestätigte die Steuerfestsetzung. Denn bei der Aufteilung der Grundstücke durch die Geschwister handelte es sich gar nicht mehr um die Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft. Zum Zeitpunkt des Tauschs waren die Geschwister bereits eine - durch die vorherige Zuteilung - aus der Erbengemeinschaft entstandene Bruchteilsgemeinschaft. Und für diese ist bei Grundstücksaufteilungen keine Befreiung von der Grunderwerbsteuer vorgesehen.

Das Problem des vergebens klagenden Erben resultierte also aus der voreiligen Erbteilung aus Vereinfachungsgründen, bei der noch nicht festgelegt worden war, wer eigentlich das Grundstück bekommen sollte. Denn eine Aufteilung einer Erbengemeinschaft in mehrere Erbengemeinschaften kennt das Gesetz nicht.

Steuerberater Hinweis: Wenn Sie nicht in eine solche Steuerfalle tappen wollen, dann kommen Sie vor jeder Entscheidung in Grundstücksangelegenheiten besser zuerst zu uns.

© 2019 Kanzlei Arndt | infokanzlei-arndtcom